Gaskostenfalle – Wer zahlt den Preis der Gaspolitik?

Fact-Sheets zur Gaskostenfalle Teil 5/5

Am 13. Mai 2026 hat das Bundeskabinett das „Gebäudemodernisierungsgesetz“ zur weiteren parlamentarischen Beratung verabschiedet. Eine Umsetzung des Entwurfs wäre nicht nur ein Rückschritt für den Klimaschutz, sondern kann Haushalte und Verbraucher*innen in die Kostenfalle treiben.

Der Gebäudesektor soll durch eine „Grüngas- bzw. Grünölquote“ dekarbonisiert werden, also weniger klimaschädliches CO2 ausstoßen. Dies würde bedeuten, dass dem gelieferten Gas Biomethan oder Wasserstoff beigemischt würde. Die Beimischung soll 2029 10 % betragen und bis 2040 auf 60 % ansteigen. Dadurch den CO2-Ausstoß zu reduzieren klingt erst mal nach einer guten Idee, doch Klimaneutralität lässt sich damit nicht erreichen. Auch sind Biomethan und Wasserstoff (bzw. „Bioöl“, also Heizöl aus Biomasse) sehr knapp und werden für industrielle Prozesse benötigt, die sich, im Gegensatz zu Gebäuden, nicht so einfach auf Strom umstellen lassen. Eine durch die zusätzlich geschaffene Nachfrage verschärfte Knappheit hätte die Folge, dass diese Grüngase und -öle auf dem Markt sehr teuer werden. [Greenpeace Energiewende, 2026] [Bundeswirtschaftsministerium, 2026]

Alternativen und Lösungsvorschläge werden von Greenpeace in einer Stellungnahme besprochen. [Greenpeace, 2026]

Die Denkfabrik Epico kommt zu dem Schluss: „Die steigenden Quoten an nicht fossilen Gasen führen innerhalb von wenigen Jahren zu Mengen, die der Markt absehbar nur sehr schwer bis gar nicht liefern kann. [EPICO, 2026]

Zugleich MÜSSEN Verbraucher*innen Grüngase kaufen, da die gesetzliche Pflicht besteht. Das Ganze hat finanzielle Folgen: Es gibt wenig Anreize für Hersteller, die Preise zu senken, da sie wissen, dass ihr Produkt von den Verbraucher*innen gekauft werden muss. Gekoppelt mit der Knappheit heißt das: Diese Gase werden richtig teuer!

Epico schätzt die zusätzlichen Kosten für Haushalte, die Gas für die Erzeugung von Wärme und Warmwasser nutzen schon im Jahr 2030 auf 180 €. Und wir erinnern uns: 2030 soll die Quote an Grüngas und -öl noch lediglich 15 % betragen. [EPICO, 2026] [Bundeswirtschaftsministerium, 2026]

Diese 180 € entstehen allein durch die Steigung der Kosten für die grünen Gase. Zusätzlich werden auch die CO-Preise und Netzentgelte, also die Gebühren für den Betrieb der Gasnetze steigen. Diese Kosten sind weitgehend fix und durch oben genannte Gründe steigen bereits jetzt viele Haushalte aus den Gasnetzen aus. Dadurch müssen die Netzentgelte auf immer weniger Haushalte umgelegt werden, wie es laut dem Fraunhofer IFAM der aktuelle Trend bereits zeigt. [Fraunhofer, 2025]

Das Fazit einer Studie des Wuppertal-Instituts und des Instituts der deutschen Wirtschaft, welches von großen deutschen Verbänden und Industrieunternehmen finanziert wird, lautet, dass die Nachteile einer Grüngasquote überwiegen und zwar unabhängig von ihrer Ausgestaltung. Die Studie hält eine Grüngasquote für eine schlechte Idee, um kostengünstig CO2 im Gebäudesektor zu reduzieren. [IW / Wuppertal-Institut, 2025]

Wie die vorgenannten Studien hält auch Greenpeace den Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes nicht für sinnvoll: Der Gesetzentwurf ist ein volkswirtschaftlicher Irrweg. Er trifft falsche Annahmen über die Zukunft, lockt Verbraucher*innen in eine Kostenfalle und ist mit der ökonomischen Realität nicht vertretbar. Vor allem für ökonomisch schwächere Haushalte in Mietwohnungen, die ihre Art der Wärmeversorgung nicht frei wählen können, steigt das Risiko einer hohen Kostenbelastung. Fossile Energieträger sind nicht mehr mit bezahlbarer Wärme vereinbar. Eine Politik im Sinne der Bürger*innen würde nicht an alten Strukturen festhalten, sondern sich um eine finanziell akzeptable Wärmeversorgung durch Elektrifizierung bemühen.

Finn Weiligmann

Quellen

Greenpeace (2026): Wärmewende. Gebäude umrüsten auf Heizen mit erneuerbarer Energie.
www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/erneuerbare-energien/waermewende

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Die freie Heizungswahl kommt – Eckpunkte des Gebäudemodernisierungsgesetzes 13.05.2026.
www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Expose/Energie/gebaeudemodernisierungsgesetz.html

Greenpeace (2026): Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, zur Änderung des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur und zur Änderung weiterer Vorschriften im Wärmebereich.
https://www.greenpeace.de/publikationen/20260511_Greenpeace_Stellungnahme_GModG.pdf

EPICO (2026): GEG-Reform: Eine Analyse der Optionen
https://www.prognos.com/sites/default/files/2026-01/EPICO_Studie_Gebaeudemodernisierung.pdf