Lina hat gestern die Eröffnungsrede auf der Demo zum Gasaktionstag von FridaysForFuture in Münster gehalten.
Darin hat sie dargelegt, wieso unsere Abhängigkeit von fossilem Erdgas eine schlechte Idee ist.
Ausschnitte der Rede finden sich auf Mastodon:
Die gesamte Rede hier noch einmal zum Nachlesen:
Wenn die Klimabewegung ein Gefühl kennt, dann ist das Frustration.
Frustration darüber, dass unsere Warnungen nicht gehört oder bewusst ignoriert werden.
Frustration darüber, dass die Politik seit Jahrzehnten genau das Gegenteil von dem tut, was die Wissenschaft rät.
Frustration darüber, dass immer irgendein anderes Thema vermeintlich wichtiger ist als die größte kollektive Bedrohung für die Menschheit.Statt gemeinsam nach Wegen zu suchen die Klimakrise anzugehen, wird lieber nach unten getreten und gegen bestimmte soziale Gruppen gehetzt, die meist ohnehin schon benachteiligt sind.
Und dann kommt eine Katharina Reiche daher und möchte entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen den ohnehin schon zu langsamen Ausbau der erneuerbaren Energien weiter ausbremsen und gleichzeitig die fossilen Energien ausbauen, insbesondere das von ihr so heiß geliebte Erdgas. Aber was hat es mit Erdgas eigentlich auf sich und was macht es so klimaschädlich?
Wenn wir von fossilem Gas sprechen ist vor allem Methan gemeint, auch bekannt als Erdgas. Erdgas wird durch Gasbohrungen ausgebeutet und – im Falle von Deutschland – zu 95% aus dem Ausland, vor allem aus den USA importiert. Das ist zum Einen absurd weil das mit sogenanntem Flüssiggas erfolgt, bei dem ein Drittel der Energie verloren geht.Zum Andern gelangen bei der Förderung, Verarbeitung und dem Transport, sowie der Nutzung zur Energiegewinnung große Mengen Erdgas in die Umwelt, wo sie in den nächsten zwei Jahrzehnten 84x größere Klimaschäden anrichten als dieselbe Menge CO2.
Besonders schädlich für die Umwelt ist es, wenn das Gas per Fracking ausgebeutet wird. Reiche möchte übrigens Fracking in Deutschland möglich machen.Die vermeintliche Lösung vieler konservativer Politiker*innen, alles durch Wasserstoff als Energieträger umzustellen, ist wissenschaftlich Quatsch. Das liegt daran, dass dieser aktuell vor allem durch Verbrennung und Umwandlung fossiler Energieträger hergestellt wird, also gar keine Einsparung von CO2-Äquivalenten erfolgt. Dazu kommt, das ähnlich wie beim Flüssiggas hier viel Energie verloren geht. Damit Wasserstoff eine Rolle spielen kann, bräuchten wir einen massiven Ausbau erneurbarer Energien. Also genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung gerade tut. Und auch dann bleibt Wasserstoff aufgrund der Energieverluste auch nur eine Lösung für wenige Teilbereiche.
Eigentlich wäre die Reduktion von Erdgas laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen der wichtigste Hebel um die Erderwärmung in den nächsten zwei Jahrzehnten zu reduzieren. Die Erreichung des Pariser Klimaziels ist demnach ohne eine Reduktion von Methan um mindestens 40-45 % bis 2030 nicht mehr zu annehmbaren Kosten erreichbar.
Apropros Kosten: den Menschen, die den Schutz von Mensch und Umwelt nur für relevant halten, wenn es sich wirtschaftlich lohnt, sei gesagt: die Kosten des Klimawandels über die nächsten 25 Jahre werden auf 19% des globalen Bruttoinlandsproduktes geschätzt und sind damit um ein sechsfaches höher als die Kosten eines schnellen Ausstiegs aus der Nutzung fossiler Energieträger.
Gleichzeit würden wir mit der Abkehr von fossiler Energiegewinnung nicht nur unsere Klimaziele einhalten, sondern uns auch unabhängig von autokratisch regierten Staaten wie Russland, den USA und dem Iran machen. Welche Folgen Abhängigkeiten haben sehen wir momentan eindrucksvoll bei den Kosten für Heizung und Benzin.
Soviel zum inhaltlichen Teil der Rede, die Fakten sind also eindeutig.
Aber es geht heute auch darum, sich nicht dem Frust und der Wut hinzugeben, die diese Politik auslöst, zumindestens in mir und ich denke in vielen von euch auch. Stattdessen müssen wir weiter an gemeinsamen, wissenschaftlich basierten Visionen für eine klima- und sozialgerechte Zukunft festhalten, diese umsetzen und weiter zusammen gestalten.
Deswegen ist es schön, hier und heute mit so vielen Aktiven gemeinsam auf der Straße zu sein. Lasst uns für eine gute und lebenswerte Zukunft für alle laut, kreativ und unbequem sein! Lasst uns heute und in Zukunft dafür sorgen, dass uns die Politik nicht mehr ignorieren kann!
Denn wenn wir als Klimagerechtigkeitsbewegung eines gut können, dann ist es durchzuhalten.
Durchhalten, wenn es darum geht, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Jahr um Jahr, Monat um Monat und Tag um Tag immer wieder auf die Straße zu gehen.
Durchhalten, wenn es darum geht, kurzsichtigen oder gekauften Politker:innen Paroli zu bieten.
Danke, dass wir heute gemeinsam hier sind. Danke, dass wir gemeinsam laut sind!
Anschließend zogen die rund 800 Teilnehmenden der Demo als Umzug durch die Stadt.


