(wir) Steuern Gegen den Müllberg!

Aktivist:innen werben im Münsteraner Hafenbecken mit verkleideter Titanic und schwimmendem Müll-Eisberg für mehr Mehrwegverpackungen

Münster, 23.08.2025 – Wir drohen, im Müll zu versinken – wenn wir nicht bald geeignete Maßnahmen ergreifen, um gegenzusteuern. So lautet die Nachricht der Aktivist:innen von Greenpeace, BUND, Münster isst veggie und Zero Waste Münster e.V. Diese demonstrieren am Samstag von 12 bis 20 Uhr im Hafenbecken mithilfe eines als Titanic verkleideten Kajaks und eines 4m hohen, schwimmenden Müllbergs für die Einführung einer lokalen Verpackungssteuer auf Einmalverpackungen im ToGo-Bereich. Auf weiteren Kajaks sitzen oder stehen weitere Aktivist:innen und halten Banner in die Höhe. „Verpackungssteuer für ein sauberes Münster“ steht darauf. Am Ufer des Hafenbeckens verteilen Ehrenamtliche Flyer und suchen das Gespräch mit Pressevertreter:innen und der interessierten Öffentlichkeit.

Problemgröße wird häufig nicht wahrgenommen

In Deutschland besteht rund 40% des Straßenmülls aus Einwegverpackungen. Durch dessen Produktion und Entsorgung fallen jedes Jahr rund 830.000 Tonnen CO2-Equivalente an. „In Gesprächen mit Politiker:innen haben wir oft das Gefühl, dass die Größe des Problems gar nicht wahrgenommen wird. Und das ist vergleichbar mit den Verantwortlichen auf der Titanic.“ sagt Johannes von Greenpeace und Lena (ebenfalls Greenpeace) ergänzt „Überall in unserer Stadt ist der Müll zu sehen, und das ist nur die Spitze vom Eisberg. Das reale Problem ist um ein vielfaches Größer.“ Jährlich werden in Deutschland 5,8 Milliarden Einwegkaffeebecher und 4,3 Milliarden Einweg-Essensboxen produziert, transportiert, kurzzeitig genutzt und dann weggeworfen. Recycling ist bei Verbundstoffen aus Papier und Kunststoff vielfach nicht möglich. „Müll aufsammeln ist nett, löst die Ursache aber nicht. Einwegverpackungen sollten erst gar nicht in den Verkehr gebracht werden.“ fordert Johannes. „Wer mit Vollgas auf Kollisionskurs fährt, muss gegensteuern, bevor »wir im Müll versinken«“.

Bündnis will Druck auf Lokalpolitik ausüben

Der kreative Protest richtet sich an die Münsteraner Lokalpolitik. Im September stehen Kommunalwahlen an und das Aktionsbündnis hofft, das Thema Verpackungssteuer prominent im Wahlkampf platzieren zu können. Die Stadt Münster solle dem Vorbild Tübingens folgen. Dort wird Einwegverpackungsmüll seit dem 01.01.2023 besteuert. Seitdem hat sich die Nutzung von Mehrwegangeboten deutlich erhöht, während sich das Stadtbild wahrnehmbar verbessert hat. Zuletzt ist Konstanz dem Tübinger Beispiel gefolgt und hat ab 2025 eine vergleichbare Steuer eingeführt.

Die Aktivist:innen sind optimistisch. Dies ist nicht die erste Aktion, mit der das Bündnis auf das Thema aufmerksam macht. Zuletzt war am 31.07. ein gigantischer Mehrwegbecher samt Kunstausstellung in der Stubengasse zu Besuch. Bei zwei Aktionen im Juni und Juli verbildlichte das Bündnis mithilfe einer gedeckten Tafel die kulturellen Vorzüge von Mehrweggeschirr.

„Einwegmüll gehört der Vergangenheit an. Die Zukunft gehört nachhaltigen Mehrwegverpackungen. Nun bleibt nur die Frage, wann die Stadt Münster den Schritt in Richtung Zukunft tun will“ resümiert Lena von Greenpeace.